Ich komme zu dir, nur mit Karate, leeren Händen,
ich trage keine Waffen.
Doch sollte ich gezwungen sein, mich zu verteidigen, meine Prinzipien oder meine Ehre,
sei es eine Frage von Leben und Tod, von richtig oder falsch,
so sind dies meine Waffen:
Karate, meine leeren Hände.

Ed Parker, März 1958

Was ist Kenpo-Karate?

Eigentlich sollte es darauf eine einfache, für jeden verständliche Antwort geben. Tatsächlich gibt es viele Beschreibungen, die zwar zutreffend sind, unter denen man sich aber nicht so richtig etwas vorstellen kann. Einige dieser Beschreibungen werde ich versuchen in eigenen Blog-Beiträgen besser verständlich zu machen. 

Statt nur zu sagen “Das kann man nicht erklären, das muss man erleben” (was ich prinzipiell auf jeden Fall jeder interessierten Person empfehle!) hier ein paar grundsätzliche Informationen was Kenpo ist – und was nicht. 

KENPO ist…

Waffenlose Selbstverteidigung

– “Ich komme zu dir, nur mit Karate, den leeren Händen, ich trage keine Waffen.” – so beginnt das “Glaubensbekenntnis” des Kenpo-Karate von Ed Parker. Dementsprechend benutzen wir in den Selbstverteidigungstechniken keine Waffen. Zu den Techniken im Prüfungsprogramm gehören aber auch Angriffe bzw. Bedrohungen mit Stock, Messer oder Pistole, gegen die wir uns aber zunächst auch nur mit leeren Händen verteidigen.

Ein Checking-System

– “Checks” werden benutzt, um den Gegner zu kontrollieren und Bewegungen zu verhindern. Wir nutzen den Kontakt zur Manipulation des Gegners, verhindern so, dass er seine natürlichen Waffen einsetzen kann. Statt permanent “nur” zu schlagen und zu treten, wechseln wir immer von Kontrolle zu Treffern und von Treffern zur Kontrolle. 

Dabei nutzen wir nicht nur Griffe sondern schränken die Möglichkeiten des Gegners auch durch Positionierung der Beine oder des Körpers ein. Bei Griffen verlassen wir uns nicht allein auf Bekleidung sondern greifen bei Bedarf Haut, Fleisch und Musklen.

Ein Standup System

– Kenpo ist als Selbstverteidigung für Bedrohungssituationen “auf der Straße” entwickelt. Das ist ein Grund dafür, dass wir ungedingt vermieden wollen, zu Boden zu gehen. Bei einer ernstgemeinten Bedrohung müssen wir davon ausgehen, dass es mehr als einen Gegner gibt und wir wären liegend in einer deutlich schlechteren Position. Im Programm werden verschiedene “Takedowns” unterrichtet, mit denen der Angreifer zu Boden gebracht wird. Ziel ist aber nicht ihn dort unter Kontrolle zu halten oder zum Aufgeben zu zwingen, sondern ihn auszuschalten und den Angriff zu beenden. 

Grundsätzlich besteht natürlich immer die Möglichkeit, das man selbst zu Boden geht. Viele Schulen bieten deshalb inzwischen Möglichkeiten zum Crosstraining z.B. mit BJJ an. In Kenpo 5.0 Schulen gehören spezielle Bodentechniken zum festen Prüfungsprogramm. 

Ein “Kick & Punch” System

– Zwar werden z.B. auch Hebel zur Verteidigung eingesetzt, aber im Großen und Ganzen hauptsächlich Tritte und Schläge, um nach der ersten Abwehr eines Angriffes den Gegner möglichst schnell und effektiv außer Gefecht zu setzen. Die meisten aus dem Boxen oder Kickboxen bekannten Faustschläge und Tritte sind auch im Kenpo zu finden. Es werden aber auch Knie- und Ellenbogenstöße, Handballenstöße, Handkantenschläge oder Fingerstiche gegen empfindliche Vitalziele eingesetzt.

Selbstverteidigung gegen untrainierte Angreifer

– Es gibt keine Wundertechniken und auch keine Abkürzungen in der Selbstverteidigung – und das gilt grundsätzlich und  nicht nur für Kenpo! Sollte jemand versprechen, dass man nach ein paar Einheiten oder einem kurzen Seminar jeden Angreifer “besiegen” kann, dann ist das schlichtweg nicht möglich.

Vom Grundgedanken her betrachten wir den Angreifer im Kenpo als gewaltbereiten “Hooligan”, der sich vielleicht eher auf seine Kraft und Brutalität verlässt als auf Technik. Bei einer echten Bedrohungssituation gibt es keine Gewichtsklassen, wie bei einem Boxkampf und auch keinen Ringrichter der auf die Einhaltung der Regeln achtet.

Die Verteidigung muss auch für körperlich unterlegene Personen funktionieren. Deshalb lernen wir, die passenden Ziele mit den passenden Waffen anzugreifen und bei jeder Aktion den maximalen Effekt zu erzielen – ohne uns auf Körperkraft verlassen zu müssen!

KENPO ist nicht…

Wettkampforientiert

Die Selbstverteidigungstechniken sind meist hart und kompromisslos. Wenn es keine andere Möglichkeit gibt, Deeskalation nicht erfolgreich war und keine Chance zur Flucht da ist, wenn es um Leben oder Tod, zumindest um die körperliche Unversehrtheit geht, dann verteidigen wir uns mit allem was notwendig ist. Das ist in einer Wettkampfsituation so nicht möglich. 

Dennoch gibt es auch Kenpo-Turniere mit Leicht- oder Vollkontaktwettkämpfen, die aber entsprechenden Regeln folgen. Wer besonderes Interesse an Sparring und Freikampf hat, sollte mit der jeweiligen Schule besprechen ob das möglich und regelmäßiger Bestandteil des Trainings ist. 

Ed Parker Zitate und Sprichwörter

“Hören bedeutet zweifeln, sehen bedeutet getäuscht werden, aber fühlen bedeutet glauben.”

Ed Parker

Nutzt die Gelegenheit für ein Probetraining und erlebt es selbst statt nach YouTube Videos zu urteilen

Es gibt keine reinen Karate-Stile. Reinheit entsteht nur, wenn reine Knöchel auf reines Fleisch treffen, egal wer zuschlägt oder getroffen wird.

Ed Parker

“Wie auch immer die Einstellung ist, so ist auch die Reaktion”

Ed Parker

Einem ernstgemeinten Angriff auf unsere Gesundheit begegnen wir auch entsprechend

“Ein bisschen Logik kann mehr wert sein als eine Menge Traditionen, die durch den Lauf der Zeit überholt sind.”

Ed Parker

Kenpo ist intelligente und logische Selbstverteidigung

“Ob es sich um ein großes oder kleines Schiff handelt, ein Loch gleicher Größe, das an der richtigen Stelle im Rumpf angebracht ist, kann es zum Sinken bringen.”

Ed Parker

Das richtige Ziel richtig getroffen macht den größten Gegner klein

“Wer zögert, meditiert horizontal.”

Ed Parker

Warum machen wir die Dinge so, wie wir sie machen?

Kenpo Karate ist keine Kampfkunst, bei der man den Kopf ausschalten kann. Im Training wird auf jedes Detail geachtet und das aus gutem Grund.

  • Wir achten auf und erklären das “Wie” und “Warum”. Es reicht nicht, wie ein “dressierter Affe” Bewegungen nachzuahmen
  • Der Angreifer wird meistens immer größer und stärker sein als wir, deshalb können wir uns nicht auf Kraft verlassen sondern müssen Technik nutzen, um unsere Ziele zu erreichen
  • Eine echte Bedrohung bedeutet Stress und auf Stress reagiert der Körper. Vielleicht können wir dann nur noch einen Bruchteil des gelernten umsetzen. Wenn wir uns schon im Training nur mit 50 % zufrieden geben würden, was bleibt dann noch übrig, wenn es darauf ankommt?